Finanzethik-Kongress 2015

24. und 25. September 2015 in Eichstätt

Hoher Ifen

Finanzethik-Kongress „Finethikon“ 2010

Rund 100 Gäste haben Anfang September am ersten Finanzethikkongress „Finethikon“ in Berlin teilgenommen. Am 03. & 04. September 2010 hatte der Lehrstuhl Finanzpsychologie, -soziologie und Finanzethik, Steinbeis Hochschule Berlin, zusammen mit dem Lehrstuhl für Unternehmensführung und Finanzdienstleistungen der Steinbeis-Hochschule, der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Erasmus Universität Rotterdam dazu eingeladen, einen kritischen und nachhaltigen Dialog zum Thema "Ethik, Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit im Finanzsystem" anzustoßen.

In ihrer herzlichen Eröffnung erklärte die Lehrstuhlleiterin und Veranstalterin, Frau Prof. Sabine Meck, dass dieser Kongress als Auftaktveranstaltung eines interdisziplinären und internationalen Austausches zu verstehen sei. In ihren Schlussworten konnte sie darauf verweisen, dass es bereits Pläne gibt, den Finethikon 2011 in Eichstätt, 2012 in Zürich und 2013 in Rotterdam mit neuen Schwerpunkten fortzusetzen.


Sowohl die Begrüßungsworte des Präsidenten Prof. Johann Löhn als auch der Eröffnungsvortrag von Prof. Kurt Biedenkopf machten bereits deutlich, dass nicht nur im Finanzsystem „die Moral abhanden gekommen ist“. Beide betonten die Bedeutung von Werten für das Funktionieren der Gesellschaft und ihrer Teilbereiche.

Prof. Biedenkopf betonte, dass ethische und moralische Fragen, Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit sich nicht auf die Finanzmärkte reduzieren lassen. Die Ursprünge, so Biedenkopf, liegen vor allem in einer politischen und kulturellen Krise der Gesellschaft in Europa und der westlichen Welt.

Namhafte Vertreter aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten, setzten am ersten Tag des Finanzethik-Kongresses ihre Schwerpunkte. So beleuchtete der Soziologe Prof. Günter Endruweit die Werte, die das Finanzsystem leiten, aus systemtheoretischer Sicht. Die von ihm zugrundegelegten Definitionen wurden im Verlaufe des Kongresses von verschiedenen Referenten aufgegriffen. Das Finanzsystem, so Endruweit, sei kein eigenes System, sondern dient als einzelnes Subsystem der Gesellschaft. Die Werte, die das Finanzsystem demnach leiten, sind von der Gesellschaft geprägt.


Die Referenten der Katholischen Universität Eichstätt, Prof. Thomas Pittrof, Dr. Harald Schmidt, Prof. André Habisch und Prof. Frank Zschaler, akzentuierten in hochkarätigen Vorträgen die Frage nach Werten, Ethik und Nachhaltigkeit im Finanzsystem aus Sicht der Literatur- und Politikwissenschaft, der christlichen Soziallehre sowie der Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Max Otte, Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der FH Worms und Autor des Buches „der Crash kommt“ sowie der Journalist und Daytrader Andreas Mueller spannten in ihren spannenden Vorträgen bereits den Bogen zur Praxis.

Die zahlreichen Impulse aus der Wissenschaft wurden am zweiten Tag durch hochkarätige Referenten aus der Wirtschaft ergänzt. So sprach sich auch der Schweizer Privatbankier Karl Reichmuth für eine erhöhte Verantwortungskultur und Eigenverantwortung, mehr gesunden Menschenverstand und mehr Ehrlichkeit im Wirtschafts- und Finanzsystem aus. Prof. Weber-Berg referierte über das Schweizer Finanzsystem unter dem Aspekt des Bankgeheimnisses. Ein Highlight war der ergreifende Vortrag des Moraltheologen Prof. Schallenberg. Aus Sicht der Sozialen Marktwirtschaft stellten die Professoren Nils Goldschmidt und Joachim Starbatty die Fragen nach neuen werthaltigen Impulsen für das Finanzsystem.

Podiumsdiskussion

Ein weiteres Highlight des zweiten Tages bot die Podiumsdiskussion zwischen dem Direktor des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Berlin, Christian Achilles, dem Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance und Aufsichtsrat der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS, Herrn Christian Strenger und Prof. Ingo Pies, dem Professor für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Kontrovers wurden hier Fragen nach der Verantwortung von Managern, Bankern und strengeren Regulierungen im Bankenbereich diskutiert.

Moderation

Der Finanzethik-Kongress „Finethikon“ 2010 wurde professionell moderiert durch Herrn Michael Cramer, ehemaliger Chefredakteur bei Sabine Christiansen und Sat.1-Newschef. Er trug mit journalistischer Kompetenz und Souveränität dazu bei, die Vielfalt der Beiträge zu einer harmonischen und in sich geschlossenen Veranstaltung zusammenzuführen. Wir möchten ihm an dieser Stelle ganz herzlich für sein Engagement danken.

Memorandum & Tagungsband

Die Impulse des ersten Finanzethik-Kongresses werden derzeit von uns aufbereitet und zu einem in Kürze erscheinenden Memorandum zum Thema „Ethik, Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit im Finanzsystem“ zusammengefasst.

Wir freuen uns außerdem Ihnen an dieser Stelle das Erscheinen eines Tagungsbandes dieses interdisziplinären Kongresses ankündigen zu können. Im Frühjahr 2011 wird dieser in einem angesehenen Verlag erscheinen. Darin werden Sie wissenschaftliche, ebenso wie zahlreiche praxisnahe Auseinandersetzungen mit dem Thema des Finethikon 2010 finden.

Ideen entwickeln in Workshops

arallel zu den Vorträgen waren die Kongressteilnehmer dazu eingeladen, in verschiedenen Workshops Ideen von Nachhaltigkeit, Ethik und Werten in Teilgebieten des Finanzsystems aufzugreifen und Impulse für die zukünftige Praxis daraus zu entwickeln. Der Finethikon bot eine Reihe international ausgerichteter, englischsprachiger Workshops. Sie thematisierten Probleme wie „trust in contracts and consequences in case of abuse of confidence“ am Beispiel verschiedener holländischer Organisationen.

Der Austausch verschiedene Ansätze und internationaler Probleme führte hier zu Mehrwerten für die interessierten Teilnehmer. Der Workshop der DKB Immobilien AG, eingeleitet durch den Vorstandsvorsitzenden, Herrn Wolfgang Schnurr und unter Leitung Herrn Karl Peter Forchs thematisierte die Überlegungen zu Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft über Energieeinsparungsgesetze und Verordnungen hinaus und regte die die Teilnehmer zu kritischer Resonanz und Mitwirkung zum Thema an. Das Publikum setzte sich in diesem wie in den anderen Workshops aus einer heterogenen Mischung aus Fachkräften und Studenten zusammen. Der Workshop der beiden Unternehmerinnen Fr. Dr. Hengsberger und Frau Schultebraucks von Frauen-Finanz widmete sich dem Arbeitstitel: Gender und Geld – investieren Frauen erfolgreicher? und bot neben Einblicken in die Forschung und die Praxis der Beratung speziell von Frauen einen Einblick in die Anforderungen einer modernen Finanzberatung im Sinne eines nachhaltigen und ethischen Wirtschaftens.

Kirchliche Impulse zum Abschluss

Professor Peter Schallenberg vom Lehrstuhl für Moraltheologie und Ethik der theologischen Fakultät Paderborn zeichnete einen beeindruckenden Rückblick der ethisch-theologischen Entwicklung von der Antike bis ins 21. Jahrhundert. Er stellte fest, dass das einzelne Individuum mit seinen Einstellungen und seinem Handeln jeden Tag die Grundlagen für ein solches ethisches Verhalten setzt. Dieser Ansatz wäre allen Weltreligionen gleich, die somit eine Basis bilden können - auch für das Handeln von Managern und Bankern in der heutigen Zeit.

Den Abschlussvortrag hielt am Samstag der Präsident der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Herr Prof. Andreas Lob-Hüdepohl und schloss somit mit einer christlich und sozialethischen Perspektive.

Zufriedene Teilnehmer

Die Organisation des Kongresses im Vorfeld und vor Ort sowie die Auswahl der Themen und Referenten wurde mit exzellent bis sehr gut beurteilt.

Dabei wurde explizit die Interdisziplinarität und die Vielfalt der Perspektiven als besonders positiv bewertet. Das Niveau der Vorträge sowie die Intensität der Diskussionen nannten die Teilnehmer als weitere Stärken des Konrgesses. durch die Mittagspause im Hause ergaben sich weitere gute Gespräche. Ein Teilnehmer schreibt: „durch die Mittagspause im Hause ergaben sich weitere gute Gespräche“.

Die unauffälligen, immer präsenten Helfer.

Die Veranstalter danken Frau Dana Willett, Herrn Martin Gorczinski und Herrn Gerhard Baier für ihren unermüdlichen Einsatz im Vorfeld und während des Kongresses. Frau Rosemarie Pilmeier, Herrn Norbert Bongratz und den Mitarbeitern des Lehrstuhls von Prof. Jens Kleine sei herzlich für die Unterstützung des reibungslosen Ablaufs der Veranstaltung gedankt.

Thesen und Denkanstöße aus dem Finethikon 2010

Nachfolgende Thesen und Denkanstößen resultieren aus den Vorträgen und Diskussionen des ersten Finanzethik-Kongresses in Berlin.

Unsere Denkanstöße richten sich an den Einzelnen, die Führungskraft, den Hochschullehrer und Wissenschaftler, den Lehrer, Politiker und Journalisten usf. Sie richten sich außerdem an Organisationen und Systeme als Ganzes. Angeregt durch unseren ersten Finanzethik-Kongress „Finethikon“ 2010 wollen wir die Auseinandersetzung mit diesen Themen und die Umsetzung von Lösungen verbreiten und lebendig erhalten. Zudem wollen wir damit auf den nächsten Finethikon hinweisen, der 2011 in Eichstätt Ingolstadt stattfinden und sich schwerpunktmäßig mit der Organisations- und Unternehmensethik beschäftigen wird.

Um den Dialog lebendig zu erhalten, haben wir einen Finethikon-Blog eingerichtet und freuen uns dort auf interessante Beiträge und Diskussionen: finethikon.blogspot.com.

 

  1. Wir erkennen in diesem Sinne an, dass es sich um eine politische und kulturelle und finanzwirtschaftliche Krise handelt, die uns und die Welt erschüttert hat.
  2. Den Finanzbereich verstehen wir als ein gesellschaftliches Subsystem. Wie jedes gesellschaftliche Subsystem soll auch das Finanzsubsystem der Gesellschaft dienen. Dem Finanzsubsystem die gesamte Verantwortung für Krisen aufzuerlegen hieße, ihm eine Eigenständigkeit zu geben, die es gar nicht haben kann und darf.
  3. Wir gehen deshalb davon aus, dass es der Staat ist, der im Namen der Gesellschaft die Normen des ökonomischen Ordnungsrahmens setzen muss, damit das Finanzsubsystem seine Funktionen erfüllen und damit dort Verantwortung wahrgenommen werden kann.
  4. Die Krise wurde durch Entgrenzungsproblematiken ausgelöst, die sich auf allen Ebenen zeigen. Auf die Ebene der Politik bezogen bedeutet das: Regierungen bzw. Gesetzgeber, die durch ihre Handlungen Versuchungen begründen, denen man mit normalen moralischen Anstrengungen nur sehr schwer widerstehen kann, handeln selbst unmoralisch. Die eigentlichen Verführungen bei der Finanz- und Wirtschaftskrise waren ohne staatliche Mitwirkung nicht denkbar.
  5. Eine Lösung von politischer Seite wird Veränderungen der institutionellen Arrangements mit teilweise hohen Kosten erfordern. Dennoch müssen die Politiker bereit sein, Wege einzuschlagen und Maßnahmen einzuleiten, die aus dem derzeitigen Dilemma führen: aus der von Akteuren empfundenen Ohnmächtigkeit und der teilweise selbstverschuldeten Unmündigkeit einerseits sowie aus der wirtschafts- und sozialpolitischen Lähmung andererseits.
  6. Politiker müssen dabei bereit sein, Verantwortung abzugeben und nach dem Prinzip der Subsidiarität mehr Eigenverantwortung zuzulassen. Die Mehrheit der wahlberechtigten Bürger scheint dem Sparen und der verantwortlichen Haushaltsführung viel positiver gegenüber zu stehen, als gemeinhin angenommen wird.
  7. Den gravierenden Problemen bei der Besteuerung und den Staatsaufgaben kann nur durch die Implementierung von Nachhaltigkeitsprinzipien in die politische und in die Wirtschaftsordnung beigekommen werden; so durch die Festschreibung grundlegender finanzpolitischer Regeln im Grundgesetz und durch den institutionellen Wettbewerb zwischen Gebietskörperschaften, d.h. durch eine Stärkung des Föderalismus.
  8. Die Frage, wie der Abbau einer derzeit übertriebenen Solidaritätskultur zugunsten einer Stärkung der Selbstverantwortung auf allen Ebenen gefördert werden kann, halten wir für eine der zentralen Fragen der Gegenwart. Es geht doch vor allem auch darum, wie Entscheid und Haftung wieder zusammengeführt werden können.
  9. Im Unternehmen heißt Verantwortung, dass Substanzerhalt oder Substanzmehrung auch als Zielvorstellung internalisiert werden. In der Beratung heißt Verantwortung, überlegenes Wissen nicht zum Schaden anderer einzusetzen.
  10. Somit trägt auch die Finanzbranche für ihre internen Prozesse selbst die Verantwortung, es muss das individuelle Ethos der Mitarbeiter gestärkt werden, so zum Beispiel durch Personalentwicklungs-Maßnahmen.
  11. An Bedeutung sollten aus unserer Sicht dabei auch habitualisierte Ethosgestalten gewinnen. Es fehlen vielfach überzeugende Vorbilder, die einen ethischen Anspruch vorleben. Wir erinnern dabei an die Worte Einsteins: Nicht durch schöne Reden werden Persönlichkeiten ausgebildet, sondern durch gelebte Vorbilder, durch eigene Arbeit und eigene Leistung.
  12. Manager müssen demnach wieder Ordnungsverantwortung übernehmen. Sie müssen eine explizite Mitverantwortung für die Entwicklung der Rahmenbedingungen tragen, in denen sie handeln. Es fehlt vielfach die Einsicht der Führungskräfte, dass es sinnvoll ist, ethisch verantwortliche Geschäfte zu betreiben oder nicht verantwortbare zu unterlassen.
  13. Verantwortung sollte zudem auf Kompetenz gründen. So benötigen wir u.a. im Finanzsubsystem unabhängige und kompetente Sachverständige in den Prüfungs-, Risiko- und Complianceausschüssen.
  14. Auch die Universitäten sind dazu aufgerufen, dieses besonders auch in ihren ökonomischen Studiengängen zu berücksichtigen. Es sollte dabei nicht nur darum gehen, „bessere Menschen“ zu erziehen, sondern fachlich und sozial kompetente, werteorientierte und verantwortungsvolle Ökonomen, Unternehmensleiter, Manager, Berater usf. auszubilden.
  15. Das Wissen um die Bedeutung, die Vermittlung und das Einüben von Werten und Moral sowie die Kompetenz, mit Freiheit und Entgrenzungen umzugehen, müssen gefördert werden. Deshalb ist die Ökonomie, insbesondere die Finanzwirtschaft, zunehmend auf die Kooperation mit anderen Wissenschaftsbereichen angewiesen, wie der Psychologie, Medizin, Moraltheologie, Soziologie, Politologie und der Wirtschaftsgeschichte.
  16. Ethik und Moral verstehen wir auch als Produktionsfaktoren. Wir gehen davon aus, dass langfristig nur mit institutioneller und personaler Integrität den Stakeholdern, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern gegenüber Vertrauen geschaffen und Wertschöpfung generiert werden kann.
  17. Dennoch sind Ethik und Moral letztlich viel mehr: Sie dienen nicht nur einer höheren Produktivität, sondern sie sind eine umfassende Lebenskunst auf der Basis von Verantwortung und Freiheit, Effizienz und Gerechtigkeit und führen zu persönlichem und gesellschaftlichem Glück.

Finanzethik:

Thema 2015:
Ethik und Nachhaltigkeit in Banking und Vermögensberatung in der aktuellen zins- und währungspolitischen Situation
⇒ Programm
⇒ Anmeldung

Jahrbuch 2013:
Christoph Weber-Berg, Frank Zschaler, Sabine Meck,
Jens Kleine (Hg.):
Vertrauen und Verantwortung im Finanzsystem

Impressionen Finethikon 2012

---------------

Opens window for sending emailinfo(at)finanzethik-kongress.de