Finanzethik-Kongress 2015

24. und 25. September 2015 in Eichstätt

Hoher Ifen

Presse

2015


Opens external link in new windowidw - Informationsdienst Wissenschaft, 17.09.2015

Finanzethik-Kongress "Finethikon": Ethik und Nachhaltigkeit in Banking und Vermögensberatung

Das Fach Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Steinbeis-Hochschule Berlin am 24. und 25. September 2015 in Eichstätt den Finanzethik-Kongress "Finethikon". In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der Tagung auf Ethik und Nachhaltigkeit bei Banking und Vermögensberatung in der aktuellen zins- und währungspolitischen Situation.

Die Sensibilisierung für Fragen von Ethik und Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Der ressorcenschonende und verträgliche Umgang mit der Umwelt, soziale und ethische Verantwortung von Finanzdienstleistern und Unternehmen, insbesondere auch bei Investments und dem Engangement in Schwellen- und Entwicklungsländern, gehören heute quasi zu den Alltagsaufgaben in der Wirtschaft. Hinzu kommt, das durch die aktuelle zins- und währungspolitische Situation alte Gewissheiten hinterfragt werden müssen: Wie sicher sind die verschiedenen Anlageformen? Wie kann man Risiken, z.B. das Alter, absichern? Kann man Vermögen über einen längeren Zeitraum erhalten und an die nächste Generation weitergeben? Welche Renditeerwartungen können Anleger heute haben? Wie können Portfolios so gestaltet werden, dass sie ethisch und Nachhaltigkeitskriterien entsprechen?Diese und weitere Fragestellungen sollen auf dem 4. Finanzethik-Kongress in Eichstätt diskutiert werden. Die Veranstalter erwarten intensive Gespräche zwischen Fachleuten aus Praxis, Wissenschaft, Politik, Religion und der interessierten Öffentlichkeit.Die Tagung beginnt am 24. September 2015 im Spiegelsaal der ehem. Fürstbischöflichen Residenz (Residenzplatz 1, Eichstätt) statt. Die Podiumsdiskussion zum Thema "Was bedeutet Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften und Anlagen?" beginnt um 19.30 Uhr im International House der KU (Ehem. Volksbank, Foyer, Marktplatz 7, Eichstätt). Die Tagung setzt sich am 25. September 2015 im Festsaal der Sommerresidenz (Ostenstraße 26, Eichstätt) fort.Nähere Infos und das komplette Programm sind unter www.ku.de im Veranstaltungskalender zu finden. Interessierte Teilnehmer können sich noch bis zum 23. September für Anmeldungen an das Tagungsbüro (Friederike Rötzsch, Tel.: 08421/9321745, friederike.roetzsch@ku.de) richten.

 

Opens external link in new windowDonaukurier, 09.09.2015

Ehemalige Volksbank ist nun ein "International House"

Eichstätt (chl/upd) Als der Zuschlag für das ehemalige Volksbankgebäude am Eichstätter Marktplatz zugunsten der Katholischen Universität (KU) gefallen ist, hat es durchaus Stimmen gegeben, die das Gebäude lieber der Öffentlichkeit stärker zugänglich gemacht haben wollten – etwa mit einem Bekleidungsgeschäft. Inzwischen ist die Universität eingezogen, sie hatte zugesagt, dass in den Räumen weiterhin Publikumsverkehr stattfinden könne.

Nun ist das Gebäude das „International House der KU“, wie Pressesprecher Constantin Schulte Strathaus gestern auf Anfrage erklärte. Hier sind das internationale Büro der Uni, also jene Mitarbeiter, die sich um Auslandsbeziehungen jeglicher Art kümmern, außerdem das Lateinamerikainstitut und das Lehrerbildungszentrum untergebracht. Und jetzt gibt es auch die erste publikumswirksame Veranstaltung in diesen Räumen: Eine öffentliche Podiumsdiskussion im Rahmen des Finanzethik-Kongresses am Donnerstag, 24. September, um 19.30 Uhr. Das Diskussionsthema lautet „Was bedeutet Nachhaltigkeit bei Bankgeschäften und Anlagen”

Das Fach Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt veranstaltet diesen Kongress in Zusammenarbeit mit der Steinbeis-Hochschule Berlin am 24. und 25. September in Eichstätt. Er trägt den Titel „Finethikon“. Der Schwerpunkt der Tagung liegt auf Ethik und Nachhaltigkeit bei Banking und Vermögensberatung in der aktuellen zins- und währungspolitischen Situation.

Die Sensibilisierung für Fragen von Ethik und Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Der ressourcenschonende und verträgliche Umgang mit der Umwelt, soziale und ethische Verantwortung von Finanzdienstleistern und Unternehmen, insbesondere auch bei Investments und dem Engagement in Schwellen- und Entwicklungsländern, gehören heute quasi zu den Alltagsaufgaben in der Wirtschaft. Hinzu kommt, dass durch die aktuelle zins- und währungspolitische Situation alte Gewissheiten hinterfragt werden müssen: Wie sicher sind die verschiedenen Anlageformen? Wie kann man Risiken, zum Beispiel das Alter, absichern? Kann man Vermögen über einen längeren Zeitraum erhalten und an die nächste Generation weitergeben? Welche Renditeerwartungen können Anleger heute haben? Wie können Portfolios so gestaltet werden, dass sie ethisch und Nachhaltigkeitskriterien entsprechen?

Diese und weitere Fragestellungen sollen auf dem vierten Finanzethik-Kongress in Eichstätt diskutiert werden. Die Veranstalter erwarten intensive Gespräche zwischen Fachleuten aus Praxis, Wissenschaft, Politik, Religion und der interessierten Öffentlichkeit.

Nähere Informationen und das komplette Programm sind unter www.ku.de zu finden. Interessierte Teilnehmer können sich noch bis Freitag, 18. September, bei Friederike Rötzsch, Telefon (0 84 21) 9 32 17 45, friederike.roetzsch@ku.de, anmelden.

Eichstätt: Katholische Universität hat das Gebäude bezogen – Erste Podiumsdiskussion zum Thema Finanzethik am 24. September - Lesen Sie mehr auf:
www.donaukurier.de/lokales/eichstaett/Eichstaett-Ehemalige-Volksbank-ist-nun-ein-International-House;art575,3119406

 

2013


Vortrag Prof. Biedenkopf

Opens external link in new windowDonaukurier, 14.06.2013

Kurt Biedenkopf und die Finanzkrise

Eichstätt (EK) Als Querdenker ist er bekannt. Als einer, der die Dinge beim Namen nennt. Nun hat sich der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf auch in Eichstätt zu Wort gemeldet. An der Katholischen Universität (KU) sprach er am Mittwoch über Finanzethik.

Biedenkopf macht keinen besonders begeisterten Eindruck. Mit gerunzelter Stirn sitzt der frühere sächsische Ministerpräsident am Mittwochabend in Raum 201 des Kapuzinerklosters und blickt auf die Uhr. Nur noch zwei Minuten bis zum Beginn seines Vortrags über Finanzethik an der KU, doch die Stuhlreihen sind weitgehend leer. „Acht Leute statt 60 – das ist schon ein gewaltiger Sprung“, murmelt er sichtlich unzufrieden. „Und dafür so eine lange Reise.“ Dass dann doch noch ein paar Zuhörer eintrudeln, scheint kein rechter Trost zu sein. Auch die Veranstalter sind enttäuscht. „Wir hatten alle Kollegen eingeladen – und die Finanzinstitute“ sagt Professor Frank Zschaler, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Es wirkt wie eine Entschuldigung an den hohen Gast.

Dieser will das Beste aus der Situation zu machen. Kaum hinter dem Rednerpult, ist er ganz in seinem Element. Biedenkopf spricht unter anderem über die Eurokrise – die eigentlich gar keine sei. „Der Euro ist eine starke Währung, die Inflationsverluste sind minimal. Also wo liegt eigentlich die Krise“, fragt er, nur um die Antwort gleich nachzuliefern: „Nicht in der Währung, sondern in der Demokratie. Wir haben keine Eurokrise. Wir haben eine Demokratiekrise.“

Eines der Kernprobleme sei gewesen, dass die demokratischen Staaten nicht die Fähigkeit entwickelt hätten, sich zu begrenzen. „Schon 1998 bei der Einführung des Euro saßen einige Sünder am Tisch. Jetzt sind die Schuldenberge noch gewachsen.“ Der komplette Maastricht-Vertrag sei völlig an der Realität vorbeigegangen, empört sich der 83-Jährige. Das, was die Länder sich damals versprochen hätten, sei nicht einzuhalten gewesen. Kein Land habe sich begrenzt – „warum auch, wenn es doch keine Sanktionen gegeben hat“ Eine Überwachung sei damals wie heute dringend vonnöten gewesen, folgert Biedenkopf. Es brauche eine unabhängige Institution, die die Verschuldung begrenzt.

Passioniert unternimmt Biedenkopf eine Reise quer durch die Geschichte der Bundesrepublik, um seine Ausführungen zu untermauern.

Bereits beim G7-Treffen 1978 in Bonn sei davon ausgegangen worden, dass ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes die Voraussetzung für die Regierbarkeit eines Staates bilde, erklärt Biedenkopf, der sich mittlerweile in Rage geredet hat. Immer neue Schulden seien angehäuft worden, die Zukunft wurde verpfändet. Nun müsse dringend ein Umdenken her. „Wir brauchen einen anderen Maßstab“, sagt der Politiker. Sei schließlich nicht auch die Verbesserung der Ausbildung eine Art von Wachstum?

Auch das soziale System der Bundesrepublik wird von der Kritik des Politikers nicht verschont. Die Zuhörer hängen an seinen Lippen, während Biedenkopf erklärt, wie das Subsidiaritätsprinzip in Deutschland auf den Kopf gestellt wurde. „Subsidiarität heißt, dass die nächsthöhere Instanz helfen muss, wenn die darunter nicht mehr kann.“ Eigentlich sei dieses Prinzip von unten nach oben gedacht, zunächst stünde also der Einzelne in der Verantwortung. Das sei mittlerweile allerdings nicht mehr der Fall und „damit haben wir eine entscheidende Ressource für die Stabilität einer Demokratie um ihre Wirkung gebracht.“

Ob die im Grundgesetz verankerte Würde des Menschen nicht auch mit dem Recht auf Eigenverantwortung gekoppelt sei, fragt Biedenkopf seine Zuhörer. Es ist eine rhetorische Frage und die Antwort folgt auf dem Fuß: „Wenn ich dem Menschen nicht Gelegenheit gebe, Verantwortung zu übernehmen, muss ich mich nicht wundern, wenn er es nicht tut.“

Es sei ein toller Vortrag gewesen, sagt eine Dame aus dem Publikum im Anschluss, und auch Biedenkopf gibt sich friedlich. Selbst auf die Frage, wie es denn nun gewesen sei, vor so wenigen Menschen zu reden, schmunzelt er nur und sagt: „Nun ja, etwas überraschend eben.“ Der kritische Staatsmann scheint versöhnt zu sein.

Von Frauke Milenz

Eichstätt: Der frühere sächsische Ministerpräsident spricht im Rahmen der Ringvorlesung an der Katholischen Universität - Lesen Sie mehr auf:
www.donaukurier.de/lokales/eichstaett/Eichstaett-Kurt-Biedenkopf-und-die-Finanzkrise;art575,2771458

 

2012


Schweizer Fernsehen, Tagesschau, 26.10.2012

 

Opens external link in new windowSchweizer Radio, 27.10.2012

Justin Welby: Bischof und Finanzexperte

Einst war Justin Welby der Finanzchef eines Ölkonzerns, heute ist er Bischof von Durham im Nordosten Englands. Doch sein Interesse an der Finanzwelt hat er behalten, und er gehört zur Untersuchungskommission der britischen Regierung rund um den Libor-Skandal. Opens external link in new windowLink zum Beitrag

 

Opens external link in new windowAargauer Zeitung, 27.10.2012

Banken bedrohen Wirtschaftssystem noch immer

Finanzethik «Moral Hazard» ökonomischer Aberglaube und moderne Spekulation bleiben eine Gefahr

VON MARC FISCHER, ZÜRICH
Fünf Jahre nach Ausbruch der letzten grossen Bankenkrise ist die Finanzwelt nicht wesentlich sicherer geworden. Zu diesem Schluss kommen verschiedene Referenten, die gestern in Zürich am Finethikon-Kongress zum Thema «Vertrauen und Verantwortung im Finanzsystem» gesprochen haben. Der Anlass wurde von der Hochschule für Wirtschaft Zürich organisiert. «Das Grundproblem ist der Moral Hazard», sagte Thierry Philipponnat, Generalsekretär des Vereins Finance Watch, der sich in der Reformierung des Finanzsystems als Gegengewicht zur Bankenlobby einbringt. «Moral Hazard » liege immer dann vor, wenn ein Akteur zwar die Gewinne für sich beanspruchen könne, aber nicht für die Verluste aufkommen müsse. Der ehemalige Investmentbanker weiss, wovon er spricht. «Der Händler kassiert einen Bonus, wenn er Gewinne macht,

«Der Händler kassiert einen Bonus, wenn er Gewinne macht, die Verluste trägt dagegen die Bank.» Thierry Philipponnat, Finance Watch

die Verluste trägt dagegen die Bank», so Philipponnat. Gerade mit Blick auf Europa habe sich daran nicht viel geändert. Das liege etwa daran, dass die Banken immer noch viel zu gross seien, um im Notfall einen Konkurs wirklich abwickeln zu können.

Billiges Geld
Durch ihre Konkursunfähigkeit erhielten die Grossbanken vom Staat gleichsam eine Finanzierungssubvention. Denn im Notfall müssen die Banken ja vom Staat gerettet werden. Deshalb sind Kreditgeber gewillt, Geld zu günstigen Konditionen zur Verfügung zu stellen, da die Banken nicht Konkurs gehen können. Dieses Problem würde von der europäischen Bankunion, wie sie derzeit in Brüssel diskutiert wird, nicht gelöst. Im Gegenteil: «Die Unterstützung für jede Bank wird noch grösser, und man wird sich sagen, jetzt können Banken erst recht nicht mehr bankrott gehen», so Philipponnat. Er plädiert für die Einführung von Obligationen, die im Konkursfall wirklich Verluste tragen müssen, sogenannte «bail-in-able bonds» (nicht rettungsfähige Anleihen).

Zudem müssten die Handelsaktivitäten von den kommerziellen Tätigkeiten getrennt werden. Doch das werde vom Lobbying der Banken verhindert, wie sich etwa in den USA bei der «Volker Rule» zeigte. Mit dieser Regel sollte Banken verboten werden, Eigenhandel zu betreiben, wenn sie vom US-Einlegerschutzprogramm profitieren. Die ursprüngliche Regel war ein paar Seiten lang. Heute sind es ein paar Hundert Seiten. «Die Banklobbyisten haben so viele Ausnahmen und Komplikationen eingeführt, dass sie heute nicht mehr anwendbar ist», so Philipponnat.

Gespenstische Zinsen
Der tschechische Wirtschaftsphilosoph Tomä Sedläcek verortet das Grundproblem der heutigen Situation in einer Fetischisierung der Ökonomie. Der Mensch habe die Ökonomie zum Wunderglauben erhöht und wurde so ihr Sklave. In der Boomphase vor 2007 seien etwa zu viele Kredite vergeben worden, weil die Modell- und Systemgläubigkeit keine Grenze mehr kannte.

«Wir verhielten uns wie eine manische Person, die immer optimistisch ist», so Sedläcek Der Chefökonom der grössten tschechischen Banken plädiert dafür, Ökonomie nicht als einen heilsbringenden Fetisch zu behandeln, sondern als nackte Theorie. Um künftig Krisen zu verhindern, sollte man nicht nur auf Ökonomen hören und sich nicht ausschliesslich auf die Zahlen verlassen, die ihre Modelle ausspucken. «Man sollte die Zahlen ein wenig verwedeln », so Sedläcek, der am Beispiel der Zinsen erläuterte, was er meinte.

In der Bibel und im Koran würden Zinsen als eine gespenstische Angelegenheit dargestellt, die man am besten vermeide. «Heute bilden Zinsen aber «Der Mensch ist zum Sklaven der Okonomie geworden.» Tomää Sedläcek, tschechischer Wirtschaftsphilosoph den Grundstein des kapitalistischen Systems.» Das Problem sei, dass niemand mehr da sei, der uns davor warne, dass wir das Wesen der Zinsen nicht verstanden hätten. »Wir glauben, dass Ökonomen die Zinssätze schon richtig berechnen», so Sedläcek Schädliche Spekulationen Eine Gefahr für das Finanzsystem ist gemäss Marc Chesney von der Universität Zürich der Derivatemarkt, dessen Volumen heute dem Zwölffachen des weltweiten Bruttoinlandprodukts entspricht. Das führe bei Kreditausfallversicherungen mitunter zu der absurden Situation, dass Banken mehr profitieren, wenn ein Unternehmen Konkurs macht, als wenn es gut laufe. Unbedenklich für das reibungslose Funktionieren des Finanzsystems sind gemäss Chesney traditionelle Spekulationen, bei der der Spekulant einen ökonomischen Bezug zu den gehandelten Produkten hat. Etwa wenn sich der Maishändler gegen Ernteausfall absichert.

In den vergangenen zehn Jahren entstand aber eine neue Art von Spekulation. «Neue Spekulanten sehen nie im Leben ein Maiskorn», so Chesney. Damit werde auch der Gedanke der Absicherung (Hedging) pervertiert. «Diese Art von Spekulationen bringen der realen Wirtschaft keinen Nutzen», so Chesney, «aber sie erhöhen den Absicherungsbedarf der Spekulanten.»

 

2011


Opens external link in new windowDonaukurier, 06.10.2011

Finanzkrise und Fehlverhalten

Eichstätt (DK) Mehr Regulierung muss her. Auf diese knappe Forderung lassen sich die Lehren aus der Finanzkrise reduzieren – zumindest, wenn man auf viele Ökonomen hört. Ein paar neue Regeln, und alles wird gut? Das reicht nicht, sagen Fachleute bei einem Ethik-Kongress gestern in Eichstätt.

Unisono gehen sie mit der Finanzwirtschaft hart ins Gericht und fordern ein radikales Umdenken. Unmoralisch sei die persönliche Gier von Bankmanagern, die privat Gewinne machten, aber die Verluste sozialisierten, für die jetzt der Steuerzahler aufkommen müsse, sagt Stephan Götzl, der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaftsbanken in Bayern. Die genossenschaftlichen Geldinstitute stehen hingegen selbst in der Haftung, sie sind im Gegensatz zu vielen Investmentbanken ohne staatliche Hilfen in der Finanzkrise ausgekommen.

Laut Götzl lässt sich die Krise nicht allein auf individuelles Fehlverhalten zurückführen. Das wäre zu einfach gedacht. Es seien eine Reihe von Systemakteuren dafür verantwortlich, die für ihn die „wahren Anstifter dieses Kriminalfalls Finanzkrise“ sind. So seien institutionelle Anreizsysteme geschaffen worden, die Banken belohnten, wenn sie rein auf Rendite setzten, ihre Institute mit Kapitaltransfers aufbliesen, ohne ausreichend Eigenkapital zu besitzen, Schattenbanksysteme schufen oder auffällige Bilanzierungsmöglichkeiten nutzten.

„Es kann nicht sein, dass Investmentbanken immer größer werden, zu groß, um von der Politik fallen gelassen zu werden“, meint Götzl, der dies „survival of the fattest“ nennt. Er forderte die Politiker auf, den „Geldmaschinen“ das Geschäft zu verderben, indem Sanktionsmechanismen und staatlich kontrollierte Bankenprüfsysteme installiert würden. „Die Politik muss begreifen, dass sie an das System ran muss, und zwar koordiniert in der EU.“

Auch Paul Dembinski, Wirtschaftswissenschaftler aus der Schweiz, sieht die Finanzwelt in einer Systemkrise. Die Auswirkungen erlebe man derzeit am „Aufstand der 99 Prozent gegen die Wall Street“. „Diese Krise ist nicht mehr mit technischen Mitteln zu lösen“, sagt Dembinski. Die Krise habe gezeigt, dass die Finanzdurchdringung der Gesellschaft, das Effizienzethos seine anthropologischen Grenzen erreicht habe. „Der Gewinn durch Effizienz ist geringer als die sozialen und Kontrollkosten.“ Das sei ein ökonomischer Nonsens, nicht nur ein ethischer.

Wie aber kommt man aus der Sackgasse heraus? Dembinski empfiehlt, zu einem komplett neuen Ordnungsprinzip zu kommen, das zu einem Gleichgewicht zwischen Finanztransaktionen und menschlichen Beziehungen führt. Will sagen: „Die Finanzwelt muss wieder in den Dienst des Gemeinwohls gestellt werden.“

Auf Defizite und Irrationalismen des Kapitals und „Dollar-Tsunamis“ als Retter der Marktwirtschaft machte Ulrich Thielemann, Ökonom aus Berlin, aufmerksam. „Die Wirtschaft macht den Menschen vor, die gewaltigen Potenziale des Finanzmarkts müssten als Motor für Wachstum und Beschäftigung ausgeschöpft werden.“ Das sei aber „Unsinn“. Das „Finanzkasino“ spiele die Beschäftigten gegeneinander aus und diene keineswegs der Realwirtschaft. Deshalb sei es ethisch so problematisch. Die Folgen seien eine Ökonomisierung der Welt und der Beziehungen zwischen den Menschen.

Von Gabriele Ingenthron


Opens external link in new windowbrennessel.com, 29.09.2011

„Geld oder Arbeit – Wer hat die Macht?“

Öffentlicher Gastvortrag von Norbert Blüm an KU

Zur Eröffnung der Kongresses „Wirtschafts- und Unternehmensethik im Finanzsystem“ der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hält Bundesminister a.D. Dr. Norbert Blüm Donnerstag, 6. Oktober 2011, einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Geld oder Arbeit – wer hat die Macht“.
Blüm spricht ab 10 Uhr im Jesuitenrefektorium des Bischöflichen Seminars Eichstätt (Leonrodplatz 3).

Am selben Tag findet ebenfalls im Bischöflichen Seminar ab 18.30 Uhr eine öffentliche Podiumsdiskussion über „Möglichkeiten und Grenzen von Regulierungen im Finanzsystem“ statt.

Auf dem Podium diskutieren Jochen Robert Elsen (Referent bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht), Prof. Dr. Jens Kleine (Professur für Unternehmensführung und Finanzdienstleistungen, Steinbeis-Hochschule Berlin), Prof. Dr. Klaus Kocks (CATO Sozietät für Kommunikationsberatung GmbH/Publizist und Kolumnist) sowie Frank Mehlhorn (Manager und Leiter des Credit Processing Teams bei der PricewaterhouseCoopers AG). Die Moderation übernimmt der Unternehmer und Publizist Michael Cramer (ehemaliger Chefredakteur Sabine Christiansen, Sat.1-Newschef, Nahostkorrespondent Jerusalem).

Die Teilnahme am Eröffnungsvortrag und der Podiumsdiskussion sind ohne vorherige Anmeldung und kostenlos möglich.

Quelle: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Finanzethik:

Thema 2015:
Ethik und Nachhaltigkeit in Banking und Vermögensberatung in der aktuellen zins- und währungspolitischen Situation
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Jahrbuch 2013:
Christoph Weber-Berg, Frank Zschaler, Sabine Meck,
Jens Kleine (Hg.):
Vertrauen und Verantwortung im Finanzsystem

Impressionen Finethikon 2012

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