Finanzethik-Kongress 2015

24. und 25. September 2015 in Eichstätt

Walserhaus

Prof. Dr. Wolfgang L. Brunner

Prof. Dr. Wolfgang L. Brunner

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Vortragsthema:
Ethisch korrektes Verhalten von Banken und Versicherungen

Abstract:
Zu Beginn der Finanzmarktkrise in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 war der Ärger über die Finanzdienstleister ziemlich groß. Zahlreiche Kunden beschwerten sich über die Falschberatung durch ihre Bank oder ihre Versicherung. Doch wer hat sie beraten? Doch keine Institution, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut. Allerdings mag der Druck in Sachen Produktverkauf den einen oder anderen Mit¬arbeiter dazu veranlasst haben, die Interessen seines Arbeitgebers etwas stärker zu gewichten als das Kundeninteresse. Das Ansehen von Banken und Versicherungen hat stark gelitten. Unzufriedene Kunden mag kein Finanzdienstleister. Daher wurde ein Umsteuern ihrer Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit angekündigt. Daher gibt es nun groß angelegte Kampagnen nach innen und außen, um das Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen.

Darüber hinaus gab es in der Folge regelmäßig Berichte in den Medien über das Versagen der Banken: sie mussten mit Milliarden von Steuergeldern gerettet werden. Kann es sein, dass alle Bankmanager Versager waren? Nein, sie haben sich meist an die Regeln, die durch Basel II vorgegeben waren, gehalten. Staatsanleihen mussten nämlich nicht mit haftendem Eigenkapital unterlegt werden. Banken und Versicherungen haben deshalb in großem Umfang Staatsanleihen erworben. Als diese schließlich an Wert verloren und Wertberichtigungen vorgenommen werden mussten, tauchten rote Zahlen in den Bilanzen auf. Wenn liquide Mittel in vorgeblich risikolose Staatsanleihen bevorzugt investiert werden und schließlich im Zuge der Finanzmarktkrise an Wert verlieren, dann können Politiker nicht so ohne weiteres auf die bösen Banken verweisen. Ihre groß angekündigten Reformen sind bis heute weitgehend ausgeblieben. Und schließlich: wie sieht die Politik die Aktivitäten der Internet-Giganten? Die Digitalisierung macht vor den Finanzdienstleistern nämlich nicht halt. Ausgewählte Geschäfte werden Banken und Versicherungen an Google, Ebay & Co. abgeben müssen. Und deren Einstellung zu einem ethisch korrekten Verhalten gegenüber ihren Kunden ist erst schemenhaft zu erkennen.

Dass bei Banken und Versicherungen nicht alles Gold ist, was glänzt, dürfte jedermann mittlerweile klar geworden sein. Im Fokus der Kritiker stehen zumeist die Großbanken. Dagegen arbeiten Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Allgemeinen eher unauffällig und weitgehend frei von kritischen Anwürfen. Seit diesem Frühjahr bahnt sich ohnehin ein Paradigmenwechsel an. Bundespräsident Joachim Gauck hat darauf hingewiesen, dass Kunden das letzte Wort im Falle der Inanspruchnahme einer Finanzdienstleistung haben. Dies dürfte weitgehend Konsens sein. Dass Kunden seiner Meinung nach auch die Bereitschaft aufbringen sollten, sich über das derzeitige Maß hinaus über Finanzdienstleistungen zu informieren, schon weniger. Daher ist künftig die Frage zu beantworten, wie Kunden mit dem Thema Geld besser umzugehen lernen können. Dazu können Finanzdienstleister nach wie vor einen wertvollen Beitrag leisten. Doch auch die Gesellschaft ist unzweifelhaft gefordert.

Vita:
Prof. Dr. Wolfgang L. Brunner
Vorsitzender des Vorstandes
Berliner Institut für Bankunternehmensführung

Ausbildung
1979 - 1982: Promotionsstudium an der Freien Universität Berlin
1970 - 1977: Studium der Betriebs- und Volkswirtschaft in Regensburg und Berlin
1967 - 1970: Kaufmännische Berufsausbildung

Berufliche Tätigkeit
seit 2004: Vorsitzender des Vorstandes des Berliner Instituts für Bankunternehmensführung e. V. an der HTW Berlin
seit 1997: Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften I)
1983 - 1996: tätig für die Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main
1980 - 1982: tätig für das Marktforschungsinstitut Invest - Industriemarktforschung Dr. Weiss, München
1977 - 1979: tätig für die Sparkasse Regensburg

Kontakt zur Praxis
über Unternehmensberatung und Aufsichtsratstätigkeit

Mitgliedschaften
Berliner Institut für Bankunternehmensführung e. V. (www.bifbu.de)
Deutsche Gesellschaft für Finanzwirtschaft (DGF) e. V.
Deutscher Marketing-Verband e. V.

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Finanzethik:

Thema 2015:
Ethik und Nachhaltigkeit in Banking und Vermögensberatung in der aktuellen zins- und währungspolitischen Situation
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Jahrbuch 2013:
Christoph Weber-Berg, Frank Zschaler, Sabine Meck,
Jens Kleine (Hg.):
Vertrauen und Verantwortung im Finanzsystem

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